ALTNEU-SYNAGOGE

Die Altneu-Synagoge in der Prager Josefstadt ist die älteste unzerstört erhaltene Synagoge in Europa, in der bis heute jüdische Gottesdienste abgehalten werden. Dieser wunderschöne gotische Bau stammt aus dem Jahr 1270 und hat mehreren Judenpogromen, Stadtbränden und auch der Sanierung des Elendviertels, ja sogar dem Holocaust getrotzt. Ursprünglich hieß die Synagoge „Neue“ oder „Große“, bis ein ihr nahegelegener Neubau den Namen „Neue“ Schule erhielt. Um diese zwei Bauten zu unterscheiden, erhielt die Synagoge den ungewöhnlichen Namen „ Altneu“.
Die Synagoge war nicht nur religiöses, sondern auch kulturelles und gesellschaftliches Zentrum. Sie diente als Schule zudem wurden hier rechtliche und administrative Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde diskutiert. Auffällig an der Fassade ist der gestufte Ziegelgiebel. An den Seiten ist die Synagoge von niedrigen Anbauten umgeben, die Vorraum und Frauenschiff enthalten. Der zweischiffige Innenraum wird von einem Fünfrippengewölbe geschmückt; ein Vierrippengewölbe hätte zu sehr an ein christliches Kreuz erinnert. Im Saal trägt eine Plattform die Bima, das Pult an dem die Tora vorgelesen wird. Über der Bima hängt eine große alte Fahne die einen Davidstern mit Judenhut zeigt. An der Ostwand befindet sich die heiligste Stelle: der Toraschrein. Zu den bedeutendsten Rabbinern und Persönlichkeiten gehörte der, während der Zeit Rudolf II. lebende Jehuda Löw ben Becalel, bekannt als Rabbi Löw (1512-1609) und Jecheskel Landau, bekannt als Noda bi Jehuda (1713-1793). Der Sitz von Rabbi Löw trägt die Nummer 1 und wird seit dem Tod des Rabbis nicht mehr besetzt.
Die Synagoge ist mit vielen Sagen verbunden. Die bekannteste ist die Golem-Legende, die in verschiedenen Adaptationen: Film, Theater und Literatur verarbeitet wurde. Die Golemfigur gehört zu den beliebtesten Touristensouvenirs. Laut der Sage erschuf Rabbi Löw eine lehmige Gestalt, den Golem. Um den Golem zum Leben zu erwecken legte er ihm einen Zettel mit dem Schem, dem Namen Gottes „Shem ha-meforash“ unter die Zunge. Eines Tages vergass der Rabbi den Schem aus dem Mund des Golems zu nehmen. Der Golem raste durch die Straßen des Prager Ghettos und zerschlug alles was sich ihm in den Weg stellte. Der Rabbi schläferte den Golem ein und versteckte ihn auf dem Dachboden der Altneu Synagoge. Bis heute ruht sich der Golem an diesem Ort aus...

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