ALTSTÄDTER RATHAUS

Die Altstadt erhielt den Stadtstatus im Jahr 1234. Allerdings mussten die Altstädter noch 100 Jahre auf das Privileg und Symbol der Autonomie warten: das Rathaus. Dessen Bau wurde erst im Jahr 1338 von König Johann von Luxemburg genehmigt.
Die Altstädter kauften ein Eckhaus des Wolfin z Kamene, stockten es auf und stellten den Rathausturm bis zum Jahr 1364 fertig. In dem 70 Meter hohen Turm wurde im Jahr 1381 eine wunderschöne Kapelle im gotischen Stil von den Bauhütten Peter Parlers erbaut. Weitere Häuser wurden im Laufe der Jahrhunderte angebaut und so entstand der Rathauskomplex. Neben dem ursprünglichen Haus des Wolfin steht das Kříž-Haus mit einem entzückenden Renaissancefenster aus dem Jahr 1520 mit der Aufschrift Praga caput regni (Prag Königreichsoberhaupt); darüber ist das Altstadtwappen zu sehen, das Ende des 18. Jahrhunderts zum Wappen von Prag wurde. Der zentrale Ort des neuen Rathauses war der Rathaussaal. Hier entschied der Stadtrat, hier wurde zu Gericht gesessen und auch wichtige historische Entscheidungen wurden hier getroffen, wie z. B. die Königswahl des Georg von Podiebrad im Jahr 1457. An der östlichen Seite des Rathauses steht das Haus zur Minute (Dům U Minuty), ursprünglich im gotischen Stil erbaut. Es ist mit einem Sgraffito, das biblische Szenen und griechische Mythologie abbildet, verziert. In diesem Haus lebte in den Jahren 1889 bis 1896, der an Prags deutschsprachigen Schulen studierende, weltberühmte Autor Franz Kafka. Das Rathaus hatte auch einen Flügel im neogotischen Stil der Ende des 19. Jahrhunderts vom Architekten Nobil erbaut wurde. Dieser Teil des Rathauses wurde jedoch gegen Ende des zweiten Weltkriegs zerstört. Wenn Sie aufmerksam schauen, sehen Sie noch ein Torso davon.
Eine der Hauptsehenswürdigkeiten ist die Prager Rathausuhr („Orloj“), die sich an der Südmauer des Rathauses befindet. Das Uhrwerk wurde im Jahr 1410 von Uhrmacher Mikuláš z Kadaně nach den Plänen des Mathematikers und Astronomen Jan Šindel (unter anderem Jan Hus' Mitschüler) gebaut. Die heutige Form des Uhrwerks wurde erst 100 Jahre später von Meister Hanuš fertiggestellt. Er wurde für lange Zeit als Schöpfer der Uhr betrachtet. Das Uhrwerk besteht aus drei selbstständigen Teilen: Apostellauf, Kalendarium und astronomisches Zifferblatt.
Täglich zu jeder vollen Stunde zwischen 9 und 21 Uhr erscheinen in den beiden Fenstern die Figuren der zwölf Apostel / Petrus, Matthäus, Johannes, Andreas, Philippus, Jakobus, Paulus, Thomas, Simon, Thaddäus, Bartholomäus,, Barnabas / mit deren typischen Attributen. Unter den Aposteln bewegen sich noch weitere Figuren. Als erstes erscheint der mit der Glocke läutende Sensenmann (Allegorie des Todes), und zum Schluss, nachdem alle Apostel vorbeigezogen sind, der krähende Hahn. Die weiteren Figuren sind: der den Kopf drehende Türke (Allegorie der Wollust), die sich im Spiegel anschauende Eitelkeit, die mit dem vollen Geldbeutel spielende Habsucht. Im unteren Teil sehen wir noch 4 unbewegliche Figuren: einen Engel und drei Bürger, die die gerechte Stadtregierung symbolisieren.
Das astronomische Zifferblatt geht von den Vorstellungen des Mittelalters über die Lage der Erde im Weltall aus. Die Uhr zeigt 4 verschiedene Zeiten an: die mitteleuropäische mit römischen Zahlen am Umfang, die altböhmische mit goldenen gotischen Zahlen, die Babelzeit mit arabischen Zahlen und die Sternzeit.
Die Kalenderscheibe (Kalendarium) ist der neueste Teil des Uhrwerks. Die Scheibe besteht aus 365 Segmenten und dreht sich im Uhrzeigersinn jeden Tag um ein Segment weiter. In der Mitte befindet sich das sich nicht drehende Wappen der Prager Altstadt. Das Kalendarium ist ein Werk des böhmischen Malers Josef Mánes. Als Vorlage für die Symbole der zwölf Monate dienten Szenen des Landlebens.
Im Rathaus kann man, neben der Kapelle und einigen repräsentativen Sälen, den alten Rathaussaal und einen großen, mit einer Kassettendecke geschmückten Sitzungssaal besuchen. Hier sind die historischen Leinwände von V. Brožík ausgestellt. Der Kreuzgang im Erdgeschoß wird oft zu Bild- und Fotografieausstellungen genutzt.

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