EMMAUSKLOSTER (KLÁŠTER NA SLOVANECH - EMAUZY)

Das Benediktinerkloster bei der Klosterkirche der Jungfrau Maria und der slawischen Schutzheiligen wurde im Jahr 1347 von Karl IV. gegründet. Schon im Jahr 1371 stiftete Karl IV. die Kirche, die zu dem Slavenkloster der Benediktiner gehörte, mit dem Auftrag hier die slawische Liturgie zu pflegen, an die Tradition der Apostel St. Cyrill und Method anzuschließen und so ein Zentrum der slawischen kirchlichen Kultur zu errichten. Die altslawische Sprache wurde als liturgische Sprache angewendet. So entstand der Name „Na Slovanech“. Der zweite Name „Emauzy“ ist nicht einfach zu erklären. Er hängt höchstwahrscheinlich mit dem Text aus dem Lukas-Evangelium zusammen, der die Begegnung Christi mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus schildert. Das Kloster entwickelte sich zu einem herausragenden Bildungszentrum, in dem wertvolle Handschriften geschaffen wurden, darunter auch der Evangeliar von Reims, auf den die französischen Könige ihren Eid leisteten. Als eines der wenigen Klöster wurde es nicht durch die Hussiten zerstört. Die Hussiten übten hier sogar die Kommunion unter beiderlei Gestalt aus. Die Benediktiner der spanischen Montserrater Klosterreform erhielten das Kloster am Anfang des 17. Jahrhunderts, während der Regierung Rudolf II. Der Benediktinerorden wirkte hier bis zu den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
Die dreischiffige Kirche wurde ursprünglich im gotischen Stil erbaut. Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist die gotische Fresko-Wandmalerei im Kreuzgang, die von einem unbekannten Maler, dem sogenannten Meister des Emmauszyklus, stammt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Kloster teilweise im Stil des Barock umgebaut, zwei barocke Türme wurden angebaut. In den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Kloster zusammen mit der Kirche komplett restauriert, da ein wesentlicher Teil während des zweiten Weltkriegs durch amerikanische Luftangriffe beschädigt wurde. Es wurden zuerst die Gewölbe nach Entwurf von Bedřich Hacar rekonstruiert. Darauf folgte ein gewagtes und im Endeffekt gelungenes Konzept der neuen Türme vom Architekten František Černý. Die Türme sind aus weißem Beton und haben die Form von Schalenflügeln mit vergoldeten Messingspitzen. Paradoxerweise entstanden um die Wende der sechziger und siebziger Jahre in unmittelbarer Nähe des so gefühlvoll und interessant restaurierten Klosters grobe moderne würfelförmige Gebäude mit Glasfassade. Die Arroganz der kommunistischen Architekten und Denkmalpfleger hat auch trotz der Proteste der Fach- und Laienöffentlichkeit irreparable Schäden auf dem ganzen Gebiet der damaligen Tschechoslowakei verursacht.

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