JAN HUS /1371-1415/

Mit Jan Hus war schon 100 Jahre vor Luther in Europa ein bedeutender Religionsreformator tätig. Als Martin Luther, der Schöpfer der Reformkirche, seine Lehre verkündete, wollte er, dass sich die Nachfolger von Jan Hus der Bewegung des Märtyrers anschließen. Jan Hus kämpfte für eine Reform der Kirche und der Gesellschaft, so wie später Luther. Doch die historischen und politischen Umstände verursachten, dass seine Lehre die Grenze des Böhmischen Königreiches nicht überschritt. Die Lehre wurde nicht als europäische Lehre anerkannt und Jan Hus wurde bis zum Pontifikat des Papst Johannes Paul II. als Häretiker bezeichnet, was während der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik ein angespanntes Verhältnis mit dem Vatikan verursachte.
Hus wurde um 1370 in Südböhmen in Husinec (sein Name ist von diesem Ort abgeleitet) geboren. Er studierte und beobachtete die Gesellschaftskrise gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Es war vor allem eine kirchliche Krise, da sich die Kirche von ihrer ursprünglichen Mission immer mehr entfernte.
Nach dem Studium an der Karls-Universität Prag wirkte Hus als beliebter Prediger, seine Lehre, beeinflusst durch die Lehren des englischen Reformators Wyclif, gewann viele Anhänger. Hus predigte in der größten Prager Kapelle, der Bethlehemskapelle. Er trat für Gesellschaftsgerechtigkeit ein, kämpfte für die christlichen Prinzipien und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen. Als Rektor der Prager Universität hatte er auch großen Einfluss auf die höheren Schichten, auf König und Adel.
Hus' Meinungen und Lehren kritisierten das System der Feudalgesellschaft. Es war nur eine Frage der Zeit wann es zum offenen Konflikt mit der katholischen Kirche, mit Rom, mit dem System kommen würde. Er predigte vor allem gegen die Ablässe (verbunden mit einem rentablen Reliquehandel), die der Kirche und dem König hohe Erträge sicherten. Hus wurde vom Papst exkommuniziert und der Stadt Prag verwiesen. Er verließ Prag um seine Lehre mit der Hilfe von Mäzenen weiter zu verbreiten. Hus machte sich auf den Weg nach Konstanz um seine Ansichten dem Konzil vorzustellen. Das Hauptthema des Konzils war angeblich die Kirchenspaltung (Existenz und Regierung mehrerer Päpste) zu lösen. Doch es war Hus um den es ging. Kurz nach der Ankunft in Konstanz wurde Hus festgenommen und bekam keine Chance etwas zu seiner Verteidigung zu sagen. Er wurde als Häretiker bezeichnet und sollte seine Lehre widerrufen. Hus widerrief nicht und wurde am 6. 7. 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seine Lehren und die folgende revolutionäre Bewegung spielen in der tschechischen Geschichte eine wichtige Rolle. Hus, der Märtyrer, wurde zum Symbol für jemanden, der sein Leben der Wahrheit an die er glaubte opferte. Sein Denkmal steht heute auf dem bedeutendsten Prager Platz, dem Altstädter Ring.

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