JUDENSTADT - JOSEFSTADT

Laut der historischen Quellen begann die jüdische Ansiedlung in Prag schon im 10. Jahrhundert. Ursprünglich siedelten die Juden an der Kleinen Seite an; ab 12. Jahrhundert bildete sich am anderen Ufer der Moldau, im nordwestlichen Teil der Altstadt, ein Judenghetto. Dies wurde von den Christen durch Mauern und Tore umgrenzt. Das Ghetto war eine selbständige Stadt mit eigener Verwaltung, Ämtern, Schulen und Synagogen. Den Juden wurden keine Bürgerrechte zuerkannt und sie hatten keinen Schutz. Bis zu den ersten Kreuzzügen waren die Juden, dank ihrer starken Handelsposition und Finanzaktivität, relativ sicher und willkommen. Die während der Kreuzzüge (Ende des 11. Jahrhunderts) in Europa organisierten Pogrome bedeuteten ab da für die Juden für die Zukunft eine permanente Gefahr. Die Pogrome hatten ihre Stadt zerstört, oft wurden sie ausgewiesen und dennoch blieb das Prager Ghetto der Juden erhalten und war während der Jahrhunderte ein einzigartiges kulturelles Zentrum. Im 18. Jahrhundert repräsentierten die Juden ein Viertel der Prager Bevölkerung. Erst Kaiser Joseph II. hob die diskriminierenden Gesetze und Anordnungen auf. Im Jahr 1848 wurde die Gleichberechtigung der Juden proklamiert. Zu Ehren Kaisers wurde die Judenstadt im Jahr 1850 in Josefstadt, „Josefov“, umbenannt. Nach den Anordnungen von Joseph II. zogen die wohlhabenden Familien aus dem Ghetto weg und Josefov wurde zum Armenviertel. Die Lebensbedingungen waren nicht einfach. Die schlechten hygienischen Bedingungen, das Ausbreiten von Krankheiten, die Kriminalitätssteigerung, die unglaubliche Übervölkerung, der ungelöste Hausbesitz: all das verlangte eine sofortige Lösung. Das Fehlen eines Denkmalschutzgesetzes und der Plan eine moderne Stadt à la Paris zu bauen führte dazu, dass im Jahr 1893 die Verwaltung eine Sanierung des Elendviertels beschloss, die de facto die Liquidation des alten jüdischen Ghettos bedeutet hätte. Gegen diese radikale Lösung erhob sich eine starke Opposition, die nach einer Erhaltung des Kulturdenkmals strebte. Zum Glück wurde der ursprüngliche Sanierungsplan mit der Bezeichnung „Finis Ghetto“ nie vollständig realisiert. Eine einfachere und auch preiswertere Variante setzte sich durch. Trotzdem wurden seit dem Jahr 1913 viele Häuser abgerissen, Straβen und auch einige Synagogen sind verschwunden, die Bevölkerungszahl verringerte sich um zwei Drittel. Es wurden breite Straβen und moderne Palais in historischen Baustilen erbaut. Es handelte sich um Prags gröβte und radikalste städtebauliche Änderung. Ähnliche Probleme betrafen auch andere europäische Städte, wie zum Beispiel Wien.
Das Jüdische Museum wurde im Jahr 1906 gegründet und gilt weltweit als gröβtes seiner Art. Es enthält eine umfangreiche Sammlung synagogaler Gegenstände jüdischer Gemeinden. Vom ursprünglichen Ghetto blieben auch einige Synagogen und der Jüdische Friedhof erhalten. Diese Kultursehenswürdigkeiten werden von Touristen aus der ganzen Welt aufgesucht.

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