KARLSBRÜCKE

Die Verbindung der beiden Moldauufer war für die Prager von wichtiger Bedeutung. Die älteste Holzbrücke entstand im Jahr 935; in diesem Jahr wurde auch der hl. Wenzel ermordet. Der treue Diener Königs Vladislav II., der im Jahr 1174 starb, Bischof Daniel, erwähnte die Notwendigkeit einer festen Steinbrücke. Die Frau des Königs, Judith von Thüringen, unterstützte dieses Projekt und so entstand in Prag im Jahr 1172 die zweitälteste Steinbrücke in Europa, die den Namen Judithbrücke erhielt.
Die Judithbrücke wurde im Jahr 1342 durch Hochwasser zerstört. Eine neue Steinbrücke wurde an ihrer Stelle, ein bisschen höher gegen den Flussstrom, erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte durch Kaiser Karl IV. Der Schriftsteller Karel Havlíček Borovský schlug vor die Steinbrücke Karlsbrücke zu nennen. 1870 wurde sie offiziell umbenannt.
Der Brückenbau begann im Jahr 1357, in einem astrologisch genau bestimmten Augenblick und endete Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Architekten der Karlsbrücke sind nicht sicher belegt. Es sollen Peter Parler und ein Prager Steinmetz namens Otto gewesen sein. Die Brücke ist aus Sandstein gebaut. Ihre Länge beträgt 516, ihre Breite rund 10 und ihre Höhe 13 Meter. Sie wurde mit 16 Bögen errichtet und ist für bessere Widerstandskräfte leicht gegen den Moldaustrom gewölbt.
Ursprünglich schmückte die Brücke nur ein einfaches Kreuz. Erst nach und nach, vor allem in der Barockzeit, entstand eine einzigartige Statuengalerie. Die erste Statue, die Bronzestatue des heiligen Johannes von Nepomuk, wurde hier 1683 aufgestellt. Wir finden sie ungefähr in der Mitte der Brücke, auf der rechten Seite Richtung Kleinseite. Die Statue erinnert an den Tod des Johannes von Nepomuk, der Generalvikar des Prager Erzbischofs Johann von Jenstein war. Der Legende nach starb Johannes von Nepomuk weil er sich weigerte das Beichtgeheimnis der Königin dem König zu verraten. In Wahrheit kam er jedoch wegen der Vermögensauseinandersetzungen zwischen dem König und dem Erzbischof zu Tode. Wenn Sie auf der Brücke sind finden Sie diese Statue ganz einfach. Die Touristen berühren das Bronzerelief der Statue und hoffen, dass es ihnen Glück bringt oder dass sie nach Prag zurückkehren. Die von den Berührungen glänzenden Stellen sind nicht zu übersehen.
Als wertvollste Statue bezeichnet man das Werk von Matthias Bernhard Braun „Heilige Lutgard“, die zwölfte Statue auf der linken Seite Richtung Kleinseite. Die weiteren bedeutenden Bildhauer, die sich an dem Brückenschmuck beteiligten, waren: Ferdinand Maximilian Brokoff und Mathias Wenzel Jäckel. Es sind insgesamt 30 Figuren auf der Brücke zu finden. Die jüngste Figur wurde im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aufgestellt. Es handelt sich um die Statue der Heiligen Kyrill und Method, der Slawenapostel, die die christliche Missionierung des Volks in Mähren und Böhmen in verständlicher Sprache betrieben. Weiter Richtung Kleinseite, fast am Ende der Brücke auf der linken Seite, steht die Statue des Ritters Bruncvík und seines treuen Löwen. Auch um Bruncvík ranken sich Legenden. Sein Zauberschwert, das ihm auf seinen Reisen Ruhm erwarb, soll irgendwo in der Brücke eingemauert sein. Dort wird es bleiben, bis es Böhmen am schlechtesten geht. Dann wird der heilige Wenzel mit seinen legendären Blaník-Rittern zur Hilfe eilen, sein Pferd wird auf der Brücke stolpern und damit die Stelle mit dem Schwert entdecken.

Mehr Info
Audio abspielen