KIRCHE ST. MARIA SCHNEE

Die Kirche befindet sich in der Nähe des Wenzelsplatzes. Sie ist eigentlich nur ein Torso des von Karl IV. beabsichtigten Bauwerks. Im Jahr 1347 legte der König den Grundstein der dreischiffigen Basilika, mit einer geplanten Länge von 100 Metern, die als ein repräsentativer Krönungsdom dienen sollte. Es wurden jedoch nur das im Jahr 1379 geweihte Presbyterium und die Grundlage des Eingangsteiles vollendet. Die Bauarbeiten wurden während der hussitischen Bewegung unterbrochen. Die bestehende Kirche wurde zum Wirkungsort des radikalen hussitischen Predigers Jan Želivský. Der sogenannte „Volksanführer der Prager Armut“ führte von hier den bewaffneten Marsch zum Neustädter Rathaus. Unterwegs drang man in die Kirche St. Stephan ein und Želivský hielt hier eine Messe mit der Kommunion unter beiderlei Gestalt. Nachdem die Menschenansammlung das Neustädter Rathaus stürmte, kam es zum „Ersten Prager Fenstersturz“: die Statthalter wurden aus den Fenstern geworfen. Am 30. Juli 1419 fingen in Böhmen die sogenannten „Hussitenkriege“ an. Selbst Jan Želivský wurde als zu radikal und zu gewalttätig bezeichnet und im Jahr 1422 von den gemäßigten Hussiten am Altstädter Rathaus hingerichtet. Er ist in der Kirche St. Maria Schnee beigesetzt.
Die Kirche wurde rekonstruiert, teils vollendet und im Jahr 1625 wieder geweiht. Die hier angesiedelten Franziskaner errichteten hier auch ein Kloster. Das Kirchengewölbe mißt 34 Meter und ist somit das höchste Gewölbe in Prag. Wir finden hier auch den höchsten frühbarocken Hochaltar, er hat 29 Meter. An diesem befindet sich das Gemälde des Prager Malers Anton Stevens. Das Gemälde stellt eine Marienlegende über die Errichtung der römischen Kirche „Maria Schnee“, bekannt als „Santa Maria Maggiore“, dar. Der Legende nach erschien dem römischen Bischof Liberius Maria im Traum und gebot ihm, an jener Stelle eine Kirche zu bauen, an der im August Schnee liegen würde. Deshalb trägt diese Kirche das Patrozinium „Santa Maria ad Nives“ (deutsch: Maria Schnee). Das Patrozinium verbreitete sich dann allmählich. Diese Legende gab also den Namen auch der Prager Kirche.
Heute befindet sich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kirche der Garten des ehemaligen Franziskanerklosters. Eine friedliche und ruhige Oase mitten im hektischen Stadtzentrum.

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