KIRCHE ST. MARIA UNTER DER KETTE

Die ursprünglich romanische Kirche ist das älteste Gotteshaus der Kleinseite. Sie wurde im Jahr 1169 gegründet. König Vladislav II. stellte sie dem Johanniterorden, dem späteren Malteserorden, zur Verfügung. Es wurde eine befestigte Ordenskommende am Brückenkopf der steinernen Judithbrücke gebaut; diese beherbergte ein Kloster, ein Spital und eine Kirche. Der böhmische Maler Karel Škréta schuf am Hauptaltar der Kirche das Gemälde „Der Sieg bei Lepanto“. Dieses Gemälde stellt eine Madonnenstatue, wie sie die Johanniter bei der Seeschlacht im Jahr 1571 segnet, dar. Der Johanniterorden hat in dieser Schlacht die türkische Übermacht glorreich besiegt.
Die Kirche wurde in der gotischen Zeit in eine entsprechende Größe umgebaut. Bis zu den Hussitenkriegen wurden gotische Türme und ein Portikus errichtet; das Domschiff wurde nicht beendet und an seiner Stelle entstand ein kleiner Garten. Ein Teil des Vorgängerbaus wurde abgerissen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhielt die Kirche durch Carlo Lurago ihr barockes Aussehen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche um neogotische Elemente ergänzt. Diese schrittweise durchgeführten Umbauten verursachten eine gewisse architektonische Disharmonie. Es entstand eigentlich nur ein Torso des beabsichtigten gotischen Doms.
Die Bedeutung der Kirche bestand in ihrer strategischen Lage an der Steinbrücke, deren Tor nachtsüber mit einer Kette versperrt wurde. Der ungewöhnliche Name der Kirche stammt vermutlich davon ab. Die Kapelle des heiligen Johannes Nepomuk im nördlichen Teil des Seitenschiffs erinnert uns daran, dass hier der Generalvikar des Erzbischofs Johann von Jenstein verhaftet wurde. Er wurde so lange und intensiv von den Schergen König Wenzel II. gefoltert bis er starb. Sein Leib wurde von der Steinbrücke in die Moldau geworfen. Auf dieser Stelle steht auf der Brücke die Nepomukstatue.

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