KLEINSEITE

Die Besiedlung der Kleinseite, also der kleineren Stadt, war eine logische Folge, da sich der Fürstensitz an der strategischen Stelle der heutigen Prager Burg befand. Es entstand eine gewisse Vorburg, wo Märkte stattfanden und sich die Besiedlung fortsetzte. Das Kleinseitenufer entwickelte sich schnell während der Regierung des Vladislav II. als die städtebaulich wichtige Stein-Judith-Brücke gebaut wurde.
Der böhmische König Přemysl Ottokar II. versah die kleinere Stadt im Jahr 1257 mit dem Stadtrecht. Aus dieser Zeit stammt auch die heutige Struktur des Viertels mit dem zentralen Kleinseitner Ring. Der König vertrieb einen großen Teil der ansässigen Bevölkerung hinter die Stadtmauern in die umliegenden Dörfer und siedelte norddeutsche Kolonisten, Händler und Handwerker an. Was die Bevölkerungsstruktur wesentlich beeinflusste. Trotzdem war die Kleinseite eher ein ärmeres Viertel. Während der Regierungszeit Karl IV. wurde die Stadt durch einen Mauerring erheblich erweitert. Die Brandkatastrophe im Jahr 1541 suchte die Kleinseite zusammen mit der Prager Burg heim. Eine gewisse Rettung war die Regierungszeit Rudolf II., der 1583 nach Prag umsiedelte. Die Kleinseite wurde zur Stadt der Reichen und des Adels. Es war die Zeit der bedeutenden italienischen Architekten. Zu nennen sind Ulrico Aostali, Giuseppe Filippi, Anselmo Lurago und Domenico Orsi. Sie errichteten sowohl kirchliche als auch weltliche Gebäude. Es entstand schrittweise ein repräsentatives Viertel, wovon prunkvolle barocke Paläste zeugen. Heute ist die Kleinseite ein Diplomatenviertel, wo in den Palästen die Botschaften und bedeutende Institutionen ihren Sitz haben, so zum Beispiel auch das Abgeordnetenhaus und der Senat der Tschechischen Republik.

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