KRANKENHAUS „U APOLINÁŘE“

Die demographische Entwicklung in Prag Mitte des 19. Jahrhunderts verlangte unter anderem die Errichtung einer neuen Entbindungsklinik. Das bestehende Krankenhaus genügte nicht mehr den Ansprüchen und so wurde auf Franz von Thun und Hohensteins Veranlassung hin eine neue, moderne Entbindungsanstalt in Prag erbaut. Graf Franz von Thun und Hohenstein war ein bedeutender Landes- und Reichspolitiker. Die Familie Hohenstein repräsentierte den böhmischen staatsrechtlichen Adel. Sie unterstützte die Gründung von Schulen und Bibliotheken und hat zu der Entwicklung des Böhmischen Königreiches beigetragen. In Prag befinden sich fünf Palais‘, die den Namen der Familie tragen. Das Palais, das in der Sněmovní-Straße steht, beherbergt heute den Sitz des Abgeordnetenhauses des Parlaments der Tschechischen Republik.
Für den Bau der neuen Entbindungsanstalt bestimmte der Landesausschuss des Böhmischen Königreiches den bedeutenden böhmischen Architekten und Mäzen Josef Hlávka. Nach der Erforschung ähnlicher Kliniken in Europa hat er zwischen den Jahren 1867-1870 die damals größte und modernste europäische Entbindungsanstalt gebaut. Das neogotische Objekt hat einen quadratischen Grundriss mit einem aus vier Flügeln bestehenden Kern und einem Innenhof. Im Krankenhaus befinden sich 11 miteinander verbundene Trakte, die den effizienten Betrieb der Anstalt bis heute ermöglichen. Das Krankenhaus hatte für damalige Zeit eine riesige Kapazität von 376 Betten. Die Entbindungsanstalt kümmerte sich auch um besitzlose Schwangere, die nicht bezahlen mussten. Das Krankenhaus hatte auch eine Abteilung für Findelkinder. Eine spezielle geheime Abteilung diente für verborgene Entbindungen prominenter Kundinnen.
Dank der gelungenen und großzügigen Lösung erweist die Entbindungsanstalt bis heute gute Dienste. Gleichzeitig handelt es sich um eine der bedeutendsten neogotischen Sehenswürdigkeiten der Tschechischen Republik. Der Architekt Josef Hlávka, nach dem eine der Prager Brücken benannt ist, war eine außerordentliche Persönlichkeit des böhmischen Volkes. Als erfolgreicher Unternehmer erwarb er ein sehr großes Vermögen, das er als Mäzen und Philanthrop in die Entwicklung der böhmischen Gesellschaft investierte. Die Akademien der Wissenschaften wurden in anderen Ländern von Herrschern gegründet; in Böhmen hingegen war es Josef Hlávka der die Königliche Böhmische Kaiser-Franz-Josephs-Akademie für Wissenschaften, Literatur und Kunst gründete und finanzierte. Er errichtete auch das Hlávka-Studentenheim, das bis heute existiert. Sein unglaubliches Vermögen brachte Hlávka in die Stiftung ein. Die Stiftung überlebte das kommunistische Regime und widmet sich bis heute der Förderung der geistigen Elite des tschechischen Volkes.

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