KREUZHERRENKIRCHE oder KIRCHE DES HL. FRANZISKUS VON ASSISI

Die Kreuzherrenkirche ist St. Franziskus-Seraphinus also St. Franziskus von Assisi, dem Patron Italiens, geweiht. Sie befindet sich an der Ostseite der Karlsbrücke am Kreuzherrenplatz. Die Kirche ist ein Teil des Klosters des Ordens „Kreuzherren mit dem Roten Kreuz“. Der Orden geht auf die Hl. Agnes von Böhmen zurück. Sie errichtete im 13. Jahrhundert ein Hospital mit einer Heilig-Geist-Kirche, aus der sich der Kreuzherrenorden entwickelte. Es ist der einzige ursprünglich böhmische geistliche Ritterorden und auch der einzige Männerorden, den eine Frau gründete. Der Kreuzherrenorden war in Böhmen von großer Bedeutung, vor allem im 17. Jahrhundert. Die Großmeister des Ordens verrichteten oft das Amt des Erzbischofs von Prag.
Die Kirche steht an der Stelle der teilweise zerstörten Kirche des Hl. Geistes. Sie wurde in den Jahren 1679-1689 im barocken Stil vom Architekten Jean Baptiste Mathey erbaut. Die Fassaden schmücken Statuen böhmischer Landespatrone von Mathias Jäckel. Das Innere bildet ein ovales, mit einer Kuppel überdachtes Schiff, ein rechteckiger Altarraum und eine Seitenkapelle. Die Kuppel war bis zum Bau der St.-Nikolaus-Kirche in der Prager Kleinseite die größte Kuppel in Prag. Das Kuppelgemälde "Jüngstes Gericht“ stammt von Wenzel Lorenz Reiner. In der Kirche befindet sich auch ein kleines Bild von El Greco, das man für ein Original hält.
Auf dem kleinen Platz vor der Kirche steht die Bronzestatue Karl IV. Der Kaiser stützt sich mit einer Hand auf ein Schwert. In der anderen Hand hält er die eingerollte Gründungsurkunde der Prager Universität. Unterhalb von ihm stehen auf dem Denkmal Statuen damals bedeutender Persönlichkeiten: des Erzbischofs von Prag, Ernst von Pardubitz und Johann Očko von Wlaschim, des Baumeisters Matthias von Arras und des Chronikschreibers Benesch Krabice von Weitmühl. Es ist interessant und witzig, dass von einem bestimmten Winkel die Statue Karl IV. so aussieht, als ob der Kaiser pinkeln würde; es ist aber nur das aus der Gründungsurkunde herausfließende Regenwasser.
Wenn Sie über das älteste Straßenpflaster in Prag spazieren wollen, schauen Sie sich die vor der Kirche stehende Winzersäule an. Unter dieser ist das Pflaster aus Steinen der ursprünglichen Judith-Brücke, heute Karlsbrücke.

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