LORETO

Es handelt sich um einen Gebäudekomplex, der sich gegenüber dem Palais-Czernin auf der östlichen Seite des Loretoplatzes befindet. Der Name des Kirchenkomplexes ist von der italienischen Gemeinde Loreto in der Provinz Ancona abgeleitet. Nachdem die Kreuzfahrer im 13. Jahrhundert das Heilige Land verloren hatten, übertrugen der Legende zufolge Engel das Haus der Heiligen Familie, die sogenannte Casa santa, von Nazareth / Palästina nach Loreto. Dabei soll es sich um jenes Häuschen handeln, in dem der Jungfrau Maria die Engel erschienen und ihr die kommende Geburt des Erlösers verkündeten. Wie auch an anderen Stellen der Welt, wurde in Prag eine Nachbildung der Casa santa gebaut und zur bedeutenden Pilgerstelle, die nur mit der Kirche der Siegreichen Jungfrau Maria, wo sich die Figur des sogenannten Prager Jesuskindes befindet, vergleichbar ist.
Das Loreto-Heiligtum in Prag wurde 1626 von Begina Katharina von Lobkowicz und von den Kapuzinern des nahegelegenen Klosters gegründet. Der Bau wurde vom Architekten Giovanni Orsi vollendet. Dieser soll für den Bau einige Originalziegel und -balken des italienischen Loretos benutzt haben. Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurden barocke Kreuzgänge um das Loreto gebaut. Im Jahr 1721 wurde nachträglich die barocke Front durch Christoph und Kilian Ignaz Dientzenhofer errichtet. Das aus 30 Glocken bestehende wertvolle Glockenspiel, das zum ersten Mal am 15. August 1695 erklang, ist im Turm im zentralen Teil der Front untergebracht. Die Schatzkammer mit Juwelen, Kelchen, Reliquien und Monstranzen ist ein wertvoller Bestandteil des Loreto-Heiligtums in Prag. Weltberühmt ist die Prager Sonne, eine in Wien nach dem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach gefertigte Monstranz, die mit 6222 Diamanten geschmückt ist.

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