NATIONALTHEATER

Die Goldene Kapelle
Die sogenannte Erste Bühne oder Goldene Kapelle, hatte und hat ein gewisses Mehr als andere tschechische und mährische Theater. Das Nationaltheater spielte in der tschechischen Geschichte eine wichtige Rolle. Es gilt als nationales tschechisches Symbol. Es symbolisiert die Existenz eines modernen europäischen Volkes, das sich, wie auch in anderen europäischen Ländern, vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts formte.
Die Idee der sogenannten „böhmischen Erwecker“ ein unabhängiges tschechisches Theater zu errichten, entstand bereits im Jahr 1844. Der böhmische Landtag hatte den Bau des Theaters genehmigt. Jetzt kam die Frage der Finanzierung und des Spendenaufrufs an die Reihe. Die Finanzmittel wurden von allen gesellschaftlichen Schichten zur Verfügung gestellt. Bedeutende Adelige, der Landesausschuss des Königreiches Böhmen und andere Vereine spendeten, der Kaiser und seine Familie gaben sogar die größte Summe. Am 16. Mai 1868 wurde der Baubeginn des Nationaltheaters in Anwesenheit von fast 150.000 Zuschauern gefeiert. Die Grundsteine kamen aus verschiedenen Gebieten von Böhmen und Mähren. Den symbolischen Grundstein legte der sogenannte „Vater der Nation“, František Palacký. Die Bauarbeiten konnten beginnen. Der Hauptarchitekt des Theaters und auch Planer des Rudolfinums ,Josef Zítek, entwarf den Bau im Sinne der Neorenaissance.
Anlässlich und zu Ehren des Besuchs des Kronprinzen Rudolf wurde das, noch nicht ganz fertiggestellte, Theater am 11. Juni 1881 mit der Uraufführung von Smetanas Oper „Libuše“ vorzeitig eröffnet. Nach elf weiteren Vorstellungen wurde das Gebäude für die ausstehenden Arbeiten nochmals geschlossen. Am 12. August 1881 kam es dann zu einem Brand, der einen großen Teil des Theaters vernichtete. Diese nationale Tragödie löste eine Welle der Solidarität aus. In einer erneuten Spendensammlung, an der sich die Hälfte der Bürger von Prag beteiligte, wurde nach knapp zwei Monaten eine Million Gulden (Zlatý) gesammelt. Unter Leitung des Architekten Josef Schulz, der das Nationalmuseum fertigstellte, wurde das Theater wieder aufgebaut. Die zweite Eröffnung erfolgte am 18. November 1883 – erneut mit einer Aufführung der von Smetana komponierten Oper „Libuše“.
Das Theater ist 26 Meter hoch, hat eine perfekte Akustik und ein repräsentatives Dekor, an dem sich die führenden tschechischen Künstler beteiligten. Die hier aufgestellten Statuen stammen von den Bildhauern Bohuslav Schnirch und Josef Václav Myslbek, die Gemälde von Mikoláš Aleš, Václav Brožík oder František Ženíšek. Vojtěch Hynais ist Autor des gemalten Vorhangs. Über der Bühne ist die symbolische Aufschrift: „Das Volk sich selbst“ („Národ sobě“).

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