NERUDA STRASSE

Diese Straße ist eine der malerischsten Straßen der Kleinseite. Sie führt von der nordöstlichen Ecke der Kleinseite bis auf die Prager Burg und ist auch ein Teil des Königswegs. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts; damals formte sich die Struktur der Kleinseite. Die meisten Häuser und die Paläste an dieser Straße wurden im Mittelalter gebaut und haben Fassaden verschiedenster Stile: Renaissance, Barock, Klassizismus.
Die Haussymbole sagen eine Menge über die jeweilige Hausgeschichte und über Status und Beruf des Hausbesitzers. Gleich am Anfang der Straße, Richtung Prager Burg auf der rechten Seite, ist das Haus mit der Hausnummer 2, „Haus zum Kater“, das mit einem Renaissanceportal und Stuckornamenten geschmückt ist. Das dortige gleichnamige Restaurant gehört zu den meist besuchten. Auf der rechten Seite ist das Haus Nr. 12 „Zu den drei Geigen“. Das ursprünglich gotische Haus wurde im 18. Jahrhundert im Renaissancestil umgebaut. Hier lebte die Geigenbauerfamilie Edlinger. Ein bisschen weiter oben auf der linken Seite steht das bemerkenswerte Palais Morzin, das heute die rumänische Botschaft beherbergt. Das Palais wurde von dem Architekten des böhmischen Barockstils, Santini-Aichl, errichtet. Der Baumeister selbst lebte auch in dieser Straße, ein Stück weiter Richtung Burg. Der Balkon dieses Hauses wird von zwei Mohrenfiguren von Maxmilian Brokoff gehalten. Gegenüber steht der heutige Sitz der italienischen Botschaft, das Palais Thun-Hohenstein; es wird auch nach den ursprünglichen Besitzern Kolowrat-Palais genannt. Ungefähr in der Mitte der Straße steht die berühmte römisch-katholische Kirche der Jungfrau Maria bei den Kajetanern von Jean Baptiste Mathey.
Haus für Haus, Hauszeichen für Hauszeichen, an der Stelle wo die Straße scharf nach rechts zur Prager Burg abbiegt, kommen wir langsam zum Haus zu den zwei Sonnen in dem der einmalige böhmische Journalist und Schriftsteller Jan Neruda lebte. Mit seinen Kleinseitner Geschichten machte er die Kleinseite berühmt und so wurde die Straße nach ihm benannt. Jan Neruda ist nicht mit dem chilenischen Nobelpreisträger für Literatur 1971 Pablo Neruda zu verwechseln: dieser wählte den Nachnamen seines Pseudonyms in Anlehnung an den tschechischen Schriftsteller. Die Straße hieß ursprünglich „Ostruhová“ - Spornergasse. Der richtige Name sollte aber eher Sparrengasse sein, da die niedergelegten Balken das Hinauffahren der steilen Gasse ermöglichten.

Mehr Info
Audio abspielen