PALAIS CZERNIN

Das barocke Monumentalwerk von Prag
Das dominante, auf dem Loretoplatz stehende Gebäude ist ein monumentales Prachtstück der barocken weltlichen Architektur. Heute befindet sich im Palais Czernin das Außenministerium der Tschechischen Republik.
Der österreichische Diplomat Graf Humprecht Johann Czernin von Chudenitz sehnte sich nach einem Palais in Prag, das in der Größe mit der Prager Burg würde konkurrieren können. Nach seiner Ankunft aus Venedig, wo er als Diplomat tätig war, ließ er ein Palais erbauen, dessen Monumentalität bis heute die Besucher erstaunen lässt. Die ursprünglichen Baupläne stammten vom römischen Architekten Bernini. Der Bau des Palais' wurde dann in den Jahren 1669-1679 vom italienischen Architekten Francesco Caratti anhand dieser Pläne realisiert. Die frühbarocke Front des Palais' misst unglaubliche 136 Meter und ist 32 Meter hoch. Die Innenräume wurden durch Franz Maximilian Kaňka fertiggestellt, der auch einen wunderschönen barocken Garten gestaltete. Der Portikus wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts durch Anselmo Lurago ergänzt. Die Czernins brachten im Palais ihre einzigartige Gemäldesammlung unter, eine der bedeutendsten der Habsburgermonarchie. Die Finanzmittel der Familie Czernin ermöglichten auch den Bau eines ähnlichen Palais‘ in Wien. Letztendlich trieben die unglaublich hohen Finanzierungskosten die Familie fast in den Ruin und das Palais Czernin wurde im Jahr 1779 zum Kauf angeboten. Da sich jedoch kein Käufer fand stand das Palais lange leer und wurde baufällig. Während der Napoleonischen-Kriege diente es als Spital, später teilweise als Waisenhaus und Kaserne. Unter Präsident Masaryk wurde das Palais verstaatlicht und nach Originalplänen restauriert, um als Außenministerium der damaligen Tschechoslowakei, heute der Tschechischen Republik, zu dienen. Das Palais hängt auch mit der neuzeitlichen Geschichte zusammen. Am 10. März 1948 wurde hier der damalige Außenminister Jan Masaryk, Sohn des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk, unter dem Fenster seines Schlafzimmers tot aufgefunden. Er starb unter nicht geklärten Umständen. Es entstand ein Wortspiel aus Mord und Selbstmord: Jan Masaryk wurde vom Fenster gesprungen.

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