PALAIS WALDSTEIN (oder WALLENSTEINPALAIS)

Das größte Palais in Prag
Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, gehört zu den weltbekanntesten Persönlichkeiten böhmischer Herkunft. Er wurde in Hermanitz an der Elbe geboren. Er war Herzog von Friedland und der Generalissmus der kaiserlichen Armee im Dreißigjährigen Krieg. Wallenstein war ein Mensch mit großem Ehrgeiz und Machtstreben und ein genialer Feldherr, der nichts vom böhmischen Aufstand hielt, seine Loyalität galt Ferdinand von Habsburg. Er machte dank seiner Einstellung und seines Charakters nicht nur eine unglaubliche Militärkarriere, sondern war auch ein sehr guter Geschäftsmann und Unternehmer. Den größten Teil seines Vermögens erwarb er als Generalissmus der kaiserlichen Armee mit konfizierten Gütern. Ebenso geschickt war er aber auch im Umgang mit seinen Finanzmitteln. Seine Wirtschaftsmethoden waren ihrer Zeit weit voraus. Sein Herrschaftsbereich ,„Terra felix“ (glückliches Land) genannt, erstreckte sich von Friedland bis nach Jitschin (Jičín). Wallenstein gehörte zu den reichsten Adeligen seiner Zeit und zeigte es in einer auffälligen Weise: er ließ auf seinen Grundstücken in Prag ein pompöses Palais erbauen, das mehr als vergleichbar mit der Prager Burg war.
Der riesige Palaiskomplex entstand in den Jahren 1624-1630 nach Plänen der italienischen Architekten Andrea Spezza, Giovanni Pieroni und Nicolo Sebregondi. Das Areal mißt 340 Meter und ist bis zu 172 Meter breit. Es beherbergt ein zweischiffiges Wohnhaus, ein Pferdestallschiff, ein ebenerdiges Dienerschaftshaus und eine weitläufige Gartenanlage. Der Komplex wurde von Süden und Südwesten mit einer hohen Mauer umschlossen. Das Bauwerk ist ein Beispiel des Übergangs vom Renaissance- zum Barockstil. Heute können die Besucher nicht nur den Palasthof bewundern: auch der Haupt- oder Rittersaal, der Ledersaal, der Spiegelsaal, sowie das Arbeitszimmer von Wallenstein stehen zur Besichtigung offen. Der Hauptsaal hat zwei Etagen und nimmt die Fläche von 24 auf 12 Metern ein. Die wunderschönen Stuckdekorationen stammen von Bartolomeo Baccio di Bianco. Ein Fresko an der Decke zeigt Wallenstein als den Kriegsgott Mars auf dem Streitwagen. Das Thema der Mythologie erscheint auch im Ovidius-Gang und im Audienzsaal. Die Loggia des Palais, die sogenannte Sala Terrena, war der erste Bau dieser Art in Böhmen. Sie ist 30m hoch, besitzt drei große Bögen und ist reichlich mit Fresken mit Motiven der Mythologie verziert. Heute dient die Loggia als Konzertsaal respektive als Orchester. Von hier gibt es einen zauberhaften Ausblick auf den Wallenstein-Garten. Die Gartenanlage hat ein barockes, dem italienischen Stil entsprechendes Aussehen. Es befindet sich hier eine künstliche Tropfsteinhöhle, eine Voliere und ein Teich. Der Garten ist mit mythologischen Figuren des aus den Niederlanden stammenden Bildhauers Adriaen de Vries ausgestattet. Die Originalstatuen entstanden in den Jahren 1625-1626, wurden aber leider gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges durch schwedische Truppen als Kriegsbeute verbracht. Seit dem Jahr 1914 sind im Garten des Waldsteinpalais Repliken der originalen Skulpturen aufgestellt.
Albrecht von Waldstein hatte das Ziel böhmischer König zu werden, in seiner Herrschaft wollte er eigene Münzen prägen und in Jitschin eine Universität gründen. Er wurde reich, zu reich, machtvoll und gefährlich, selbst für den Kaiser. Er hat seinen Sitz und Reichtum nicht lange genießen können. Im Jahr 1634 wurde Wallenstein in Eger (Cheb) ermordet. Das nach ihm benannte Palais wird von Touristen aus der ganzen Welt bewundert. Heute hat der Senat des Parlaments der Tschechischen Republik hier seinen Sitz.

Mehr Info
Audio abspielen