PRAGER BURG

Der sich über der Moldau erhebende Bergsporn war schon seit der Urzeit eine ideale strategische Besiedlungsstelle. Auf Grund archäologischer Funde wurde festgestellt, dass die früheste Besiedlung aus der neolithischen Zeit (Jungsteinzeit) stammte. Die eigentliche Burghistorie hängt mit dem ersten historisch belegten Přemyslidenfürsten Bořivoj zusammen. Er ließ sich im Großmährischen Reich taufen. Das war das erste Herrschaftsgebilde der westlichen Slawen, dessen Kerngebiet sich in der heutigen Region Mähren befand. Der Machtbereich der entstehenden Přemyslidendynastie erstreckte sich in den Folgejahren bis nach Böhmen. Bořivoj gründete mit seiner Frau Ludmila in den Jahren 870-890 an der Stelle des heutigen zweiten Burghofes die romanische St.-Marien-Kirche. Wahrscheinlich war es aber sein Sohn Spytihněv I., der mit dem Burgbau begann. Zum natürlichen Schutz der Burg gehörte der 30 Meter tiefe Graben, der sie vom heutigen Hradschiner Platz trennte. Der zweite Kirchenbau war die St.-Georgs-Basilika im Ostteil der Burg. Als dritter Sakralbau entstand auf Anregung des Fürsten Wenzel I. die romanische St.-Veits-Rotunde, da der König die Gebeine dieses Heiligen von Heinrich I. erhielt. Das Burgareal wurde schrittweise um kirchliche und weltliche Gebäude erweitert.
Das mittelalterliche Aussehen erhielt die Burg während der Regierung eines der mächtigsten Herrscher in Europa, Přemysl Ottokar II. Mit dem Antritt der Luxemburger als Herrscher auf dem böhmischen Königsthron begann die gotische Aufstiegsetappe. Während der Hussitenzeit war die Burg zum Verfall und der Vernichtung verurteilt. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Burg unter König Vladislav Jagiello neu erbaut. Es entstand ein Meisterstück der spätbarocken Architektur, der heutige Alte Königspalast.
Im Jahr 1526 traten die Habsburger ihre Herrschaft über den böhmischen Thron an. Die größte Blütezeit erlebte die Burg während der Regierung Rudolfs II.: Prag wurde zur kaiserlichen Residenzstadt. Der niedergeschlagene Aufstand gegen die Habsburger am Anfang des Dreißigjährigen Krieges führte wieder zur Stagnation und dem Verfall der Prager Burg. Erst in den Jahren 1755-1775 wurde von Nicolo Pacassi für Maria Theresia ein großer Umbau des westlichen Teiles der Burg unternommen. Es entstand ein Neuer Königspalast. Die bisher ungleichen Gebäude wurden in dem, der Wiener Architektur ähnelnden, heutigen barocken Klassizismusstil vereint. Leiter der letzten Umgestaltungsarbeiten nach der Entstehung der Republik war der Architekt Josef Plečnik. Das Burgareal ist eine wirkliche architektonische und kulturelle Schatzkammer.

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