ST.- NIKOLAUS-KIRCHE

Die St.-Nikolaus-Kirche am Kleinseitner Ring betrachtet man als Prags schönstes Barockgebäude, europaweit hoch geschätzt . Wie schon erwähnt wurde, diente die Kirche nach dem Jahr 1620 dem Jesuitenorden, der rund 50Jahre später eine neue Kirche und ein neues Studentenwohnheim errichtete. Die Grundsteinlegung dieses bedeutenden Gebäudes geschah im Jahr 1673, selbst der römische Kaiser und böhmische König Leopold I. war anwesend. Die Bauarbeiten gingen langsam voran, nur ein Fundament wurde 15 Meter tief gelegt. Die Baumeisterfamilie Dientzenhofer betrachtet man als die Hauptarchitekten und Baumeister der Kirche. Am Anfang des 18. Jahrhunderts war Christoph Dientzenhofer für den Bau verantwortlich. Er baute zwei Schiffe mit Seitenkapellen und vermutlich auch die architektonisch anspruchsvolle Kirchenfassade, die ein Beispiel des sogenannten dynamischen Barocks ist. Beim Zuschauer erweckt es eine Illusion der sich bewegenden Masse. Die Fassade ist mit Statuen von Johann Kohl geschmückt. Im Giebel steht die Staue des St. Nikolaus, an der Attika die Statuen der Heiligen Peter und Paulus und die heiligen Jesuiten: Ignaz und Franz Xaverius. Kilian Ignaz Dientzenhofer trat im Jahr 1737 in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters. Er vollendete sowohl das dritte Schiff als auch die Kuppel. Den Bau des schmalen Turms konnte er nicht mehr fertigstellen. Die Leitung der Arbeiten und die Fertigstellung der Kirche übernahm nach seinem Tod sein Student und Schwiegersohn, Anselmo Lurago. Die Maße der Kirche sind mehr als imposant. Der Grundriss hat 40 x 60 Meter, die Höhe der Kuppel mit dem Türmchen entspricht mit 79 Metern der Höhe des Glockenturms. Der innere Kuppeldurchmesser ist 17 Meter und erreicht die Höhe von 50 Metern; somit ist es der höchste Innenraum in Prag.
Die Kleinseitner fürchteten sich vor der Höhe des Glockenturms. Sie dachten, er könnte auf ihre Häuser fallen. Im Laufe der Zeit gewöhnten sie sich jedoch daran. Der Turm diente auch als Beobachtungsstation. Es wurden von hier mögliche Brände und Feuer oder Feindbewegung gemeldet. Während des totalitären Regimes beobachteten die Angehörigen der Staatssicherheit vor allem die Bewegung und das Geschehen in den lokalen westlichen Botschaften.
Das Kircheninnere ist ein Beispiel der barocken Kirchenarchitektur, eine Äußerung der barocken Lebensphilosophie. Die Kirchenverzierung, die Monumentalität, die barocke Spannung, das sinnliche Licht- und Schattenspiel, der pompöse Reichtum: das alles weckte bei den Gläubigen die aus der Armut des weltlichen Lebens kamen, eine große Hoffnung und die Errettung durch Gott. Die Decke ist mit einem Fresko von Johann Kracker verziert. Es soll die Feier des St. Nikolaus und Szenen aus seinem Leben darstellen. Mit 1.500 m² handelt es sich um Prags größtes Fresko und um das technisch am besten ausgeführte Werk seiner Art. Ein anderes wertvolles Fresko ist „ Die Feier der heiligen Cäcilia“ von Franz Xaver Palko. Sein bekanntes Gemälde „Die Folterung des heiligen Franz Xaverius“ schmückt eine der Kapellen. Die etwa 50 Statuen wurden von Ignaz Platzer angefertigt. Auf dem Wandelgang können die Besucher den Passions-Zyklus von Karel Škréta bewundern.
In der Kirche finden oft Kirchenmusikkonzerte statt. Die wertvolle Orgel in der Kirche wurde häufig von Mozart bei seinem Aufenthalt in Prag gespielt. Nach seinem Tod veranstalteten hier seine Musikfreunde zusammen mit Mozarts Gastgeberin, Josefina Dušková, eine Trauerfeier, bei der das Requiem Rosettis erklang. Sich in der Kirche ein Konzert auf den, aus dem 18. Jahrhundert stammenden, Kirchenbänken anzuhören: das ist ein unvergessliches Erlebnis.

Mehr Info
Audio abspielen