TEYNKIRCHE

Die Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn, Teynkirche oder Teyn genannt, ist das dominante Gebäude des Altstädter Rings. Die Kirche ist nach dem St. Veits Dom auf der Prager Burg das bedeutendste religiöse Objekt in Prag. Sie ersetzte Mitte des 14. Jahrhunderts eine kleine romanische Kirche, die im ältesten Zentrum der Altstadt, auf einem eingezäunten Platz, dem Ungelt, stand. Die Teynkirche wurde von den Bauhütten von Arras und Peter Parler erbaut, die sich auch am Bau des St.-Veits-Doms beteiligten. Der dreischiffige Dom ist im gotischen Stil, mit charakteristischer zweitürmiger Fassade, errichtet. Die zwei nicht gleichen Türme sind 80m hoch. Der nördliche Turm wurde von 1463 bis 1466 und der südliche von 1505 bis 1511 erbaut. Die Maße des Doms sind überwältigend: Länge 52m, Breite 28m, Höhe des Gewölbes im Hauptschiff 31m. Das Tympanon über dem Nordportal, das die Leiden Christi darstellt, gehört zu den wertvollsten Werken der mitteleuropäischen gotischen Plastik. Das Tympanon wurde von Peter Parler im Jahr 1390 geschaffen. Das Original befindet sich heute in der Nationalgalerie.
Der Innenraum ist sehr reichhaltig gestaltet. Wir finden hier eine gotische Kanzel und das Seitenschiff beherbergt das älteste, aus dem Jahr 1414 stammende, Prager Taufbecken aus Zinn. Auf den Haupt- und Seitenaltären können wir die Gemälde des Barockmalers Karel Škréta bewundern. Der Hauptaltar trägt das Gemälde Mariä Himmelfahrt, die Seitenaltäre die Gemälde Hl. Barbara, Verkündigung, Hl. Adalbert und Hl. Josef. Im Dom ist auch die wahrscheinlich älteste einheimische Orgel, erbaut im Jahr 1670 vom deutschen Orgelbaumeister Hans Mundt.
Das Grabmal mit dem Portrait des am Hofe des Kaisers Rudolf II. wirkenden dänischen Astronomen Tycho de Brahe gehört zu den am meist besuchten Stellen des Doms. Prag war während der Regierung der Habsburger der Sitz der Monarchie, das heißt die Hauptstadt Europas.
Während der Religionsreform spielte der Dom eine wichtige historische Rolle. In der Kirche wirkten Prediger wie Konrad von Waldhausen, Jan Milíč z Kroměříže, Bischof Jan Rokycana oder Jakoubka ze Stříbra. Damals war die Teynkirche das geistliche und gesellschaftliche Zentrum Prags. Deswegen stand bis ins 17. Jahrhundert im Giebelfeld die Statue des Königs Georg von Podiebrad - „der Hussitenkönig“ - als Symbol für die religiöse Toleranz und Freiheit. Nach dem Sieg des Habsburger Katholizismus in der Schlacht am Weißen Berg, wurde die Statue durch ein Madonnen-Relief im Strahlenkranz ersetzt.
Beim Anblick der Teynkirche überrascht, dass ein Teil der Frontfassade und der Haupteingang nicht zu sehen sind, da unmittelbar vor dem Kirchengebäude die Teynschule steht. Es handelt sich um zwei ursprünglich gotische Häuser, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Renaissance-Stil umgebaut wurden. Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert war hier eine Schule beherbergt. Im ersten Stock befindet sich das Fresko Mariä Himmelfahrt aus dem 18. Jahrhundert. Da die Teynschule gleichzeitig mit der Teynkirche erbaut wurde, gibt es einige besondere, teils versteckte und verdeckte Formen.

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