TSCHECHISCHE TECHNISCHE UNIVERSITÄT

Das Gebäude der Tschechischen Technischen Universität befindet sich an der Ecke des Karlsplatzes und der Resslova-Straße. Es wurde im Jahr 1874 nach Plänen des Architekten Ignaz Ullmann im italienischen Neorenaissancestil erbaut. Damals wurde es vom Tschechischen Polytechnikum, dem Vorgänger der Tschechischen Technischen Universität, genutzt. Die dreischultrige Treppe, auf toskanischen Säulen ruhend, beeindruckt uns schon beim Eintritt ins Gebäude. Im Porticus stehen allegorische Statuen, die die technischen Wissenschaften darstellen. Die Statuen wurden vom Bildhauer Josef Václav Myslbek fertiggestellt. Myslbek gehörte zu den bedeutendsten Bildhauern der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert; unter anderem erschuf er auch die Reiterstatue des hl. Wenzels am Wenzelsplatz.
Mehr noch als das Gebäude im Neorenaissancestil ist die Geschichte und die Bedeutung der Hochschule interessant: sie ist die älteste zivile technische Schule Europas. Christian Josef Willenberg übte als erster in Mitteleuropa die Ingenieurprofessur aus. Im Jahr 1718 erhielt er die Zustimmung Ingenieurwissenschaften unterrichten zu dürfen. Zu Beginn nahmen zwölf Studenten in der Wohnung Willenbergs an den Vorlesungen teil. Wegen des weiteren Anstiegs mussten Räume angemietet werden. Nachfolger Willenbergs war der hervorragende Professor und Mathematiker Jan Ferdinand Schor. Es wurden neue Fachbereiche unterrichtet, wie z. B. Optik, technisches Zeichnen oder Geografie, später auch Studium des zivilen Ingenieurwesens. Dank dem Erfinder, Physiker und Pionier der Eisenbahn, Franz Josef von Gerstner, wurde das Ingenieurinstitut der Stände in ein Polytechnikum umgewandelt. Das Prager Polytechnikum war das erste seiner Art in Österreich und Mitteleuropa. Sprachliche Uneinigkeiten führten jedoch dazu, dass 1869 eine Aufteilung in ein tschechisches und ein deutsches Institut stattfand. Das tschechische Institut siedelte in den Neubau auf dem Karlsplatz um. Zur Zeit der intensiven Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs auch die Zahl der Studenten bis auf dreitausend an. Die Absolventen waren auch außerhalb der Grenzen der Österreich-Ungarischen Monarchie hoch geschätzte Ingenieure. Nach Gründung der Tschechoslowakei wurde die Schule im Jahr 1920 umorganisiert. Die Hochschule führte den neuen Namen „České vysoké učení technické – ČVUT“ an. Die Schule hat heute 8 Fakultäten und gehört zu den weltweit anerkanntesten technischen Universitäten.

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